Wie ein österreichischer Hidden Champion den deutschen CO₂-Markt aufrollt
Wie von Insidern zugetragen, hat die Freisinger Holding AG neue Rohstoffquellen für CO₂ in Deutschland und Österreich erschlossen. So soll aktuell etwa auch dem Giganten BASF in Ludwigshafen 30 % vom Flüssig-CO₂-Markt „weggenommen" werden – das Werk Helmstedt ist aktuell nach nur sechs Monaten zu 50 %
ausgelastet, ab April 2026 dann wohl zu 100 %.
Wahrlich: ein österreichischer Hidden Champion
Laut einem großen anerkannten Maschinenhersteller für die CO₂-Verarbeitung befindet sich die Freisinger Holding AG in Deutschland bereits auf Augenhöhe der großen Industriegasekonzerne – natürlich „nur" im (dafür umso bedeutsameren) Marktsegment Flüssig-CO₂. Wow! Wenn das nicht ein österreichischer Hidden Champion ist, weiß ich nicht.
Freisingers Mitbewerb sind nun Konzerne wie BASF, Nippon Gas, Linde und Co. – das ist doch einigermaßen bemerkenswert, dass im Marktsegment Flüssig-CO₂ „still und heimlich die Österreicher übernehmen". Dem Vernehmen nach hat Freisinger mit Stand jetzt (Anmerkung: 16. Jänner 2026) bereits ein Drittel des Vorjahresumsatzes erreicht. Das muss man sich erst einmal vorstellen: Der Jänner ist noch nicht einmal vorbei – und Freisinger drückt schon gehörig auf die Tube.
Die Expansion: Deutschland im Visier
Das Werk in Helmstedt produziert gegenwärtig 6.130 Tonnen Jahresmenge, ein weiteres mit doppelter Menge kommt wohl, so hört man von Insidern, mit Jahresende hinzu. In Deutschland dürfte sich die Jahresmenge auf 14.000 Tonnen verdoppeln, ein weiterer 7.000-Tonnen-Bringer aus Deutschland ist sogar schon für die Jahresmitte geplant, wie es aus für gewöhnlich gut informierten Kreisen unter der Hand heißt.
Das Werk in Helmstedt ist dabei mehr als nur eine Produktionsstätte – es ist ein strategischer Brückenkopf. Über die Website trockeneis-online.com bietet Freisinger dort bereits die direkte Abtankung von flüssigem CO₂ an – „Ex Works" ab Produktionsstandort Helmstedt. Ein cleverer Schachzug: Wer sein CO₂ direkt beim Produzenten abholt, spart Transportkosten und bekommt Mengenrabatte. Die Industriekunden wissen das zu schätzen.
Amstetten: Das österreichische Standbein
Außerdem gibt es mit Amstetten (BCR Bio Carbon Refinery) auch noch ein Werk in Österreich, das 3.000 Tonnen zur Verfügung stellen kann. Die BCR Bio Carbon Refinery GmbH wurde am 19. Juli 2025 ins Firmenbuch eingetragen, mit Thomas Freisinger und Katharina Hader als Geschäftsführern. Die Gesellschafterstruktur ist interessant: Je 33 % halten die Freisinger Holding AG, Katharina Hader persönlich und die Bio Fuel Systems GmbH – eine Dreier-Konstellation, die auf langfristige Partnerschaft setzt.
Die BCR plant, regionale Reststoffe in Biomethan, CO₂-Recycling, Trockeneis und Nährstoffkreisläufe zu verwandeln. Das Geschäftsmodell ist bestechend: Aus Bioabfällen wird Methangas gewonnen, das CO₂ wird nicht einfach in die Atmosphäre geblasen, sondern zu Düngemitteln und Trockeneis verarbeitet. Kreislaufwirtschaft im besten Sinne – und profitabel noch dazu.
Katharina Hader: Die operative Kraft
Eine Schlüsselrolle spielt dabei Katharina Hader. Die Umwelttechnikerin ist nicht nur Geschäftsführerin der BCR, sondern auch der Bio Fuel Systems GmbH, die eine bestehende Biogasanlage in Amstetten betreibt. In einem Podcast beschreibt sie sich selbst als durchaus „radikal" und spricht über die industrielle Veredelung und Nutzung von unterschiedlichen Kohlenstoffprodukten wie Düngemittel, Methan und biogenem CO₂.
Die Kombination ist clever: Die Biogasanlage liefert das CO₂, die BCR veredelt es. Synergien, die auf dem Papier gut klingen – und in der Praxis offenbar funktionieren.
Die Freisinger-Gruppe: Ein Firmengeflecht mit System
Die Freisinger Holding AG ist mehr als nur ein CO₂-Händler. Sie ist der Dachkonzern eines wachsenden „Imperiums“:
- Freisinger Enterprises GmbH (100 %): die technologische Plattform und Komplementärin der Gas & Technik Freisinger GmbH & Co KG
- Gas & Technik Freisinger GmbH & Co KG: führend im Handel mit biogenem CO₂ und Trockeneis, kürzlich Exklusivrechte an einer großen CO₂-Quelle in Niedersachsen erworben, Trockeneis-Produktion dort seit Juli in Betrieb
- BCR Bio Carbon Refinery GmbH (33 %): das österreichische Standbein in Amstetten
Achtung! Die Kommanditanteile der Gas & Technik sollen bald per Sacheinlage in die Holding eingebracht werden – ein klassisches Manöver vor einem Börsengang.
Der Börsengang: Es wird ernst
Die Freisinger Holding AG bereitet augenscheinlich ein Börsenlisting vor. Eine erste Kapitalerhöhung fand bereits statt, zu der ausschließlich ausgewählte strategische Aktionäre zugelassen wurden. Wer diese Aktionäre sind, bleibt diskret. Sehr diskret. Ebenso wie die Person des „international vernetzten Aufsichtsratsvorsitzenden", über den spekuliert wird.
Im Aufsichtsrat der Freisinger Holding AG sitzen Mag. Mag. Michael Skala, Dipl. Ing. Birgit Hofbauer-Domin und Dipl. Ing. Taritsyn Valery. Ein Name sticht heraus: Taritsyn Valery. Ein russischer Name in einem österreichischen Aufsichtsrat? In Zeiten wie diesen durchaus bemerkenswert. Oder gerade deshalb?
Die Netzwerke: Regierung, ÖBB und Corona
Was die Freisinger-Gruppe besonders macht, sind die Kontakte. Die Gas & Technik Freisinger GmbH & Co KG sicherte sich im Vorjahr langfristige Lieferverträge mit den Österreichischen Bundesbahnen – einer der wichtigsten öffentlichen Institutionen des Landes. Kein kleiner Coup für ein mittelständisches Unternehmen.
Während der COVID-19-Pandemie waren die Freisinger-Unternehmen „auffallend nah am behördlichen und infrastrukturellen Krisengeschehen tätig – sachlich, unaufgeregt und im Hintergrund", wie es in Pressemitteilungen heißt. Trockeneis war während der Pandemie ein knappes Gut – für die Kühlung von Impfstoffen unverzichtbar. Wer damals liefern konnte, hatte Zugang zu den richtigen Stellen.
Und nun erhält die BCR Bio Carbon Refinery, nur wenige Monate nach ihrer Gründung, bereits „langfristige Regierungsaufträge" und erzielt erste Umsätze – noch bevor die Smart Factory in Amstetten vollständig errichtet ist. In Wirtschaftskreisen wird dabei immer wieder ein Name genannt: Herr Freisinger. Über die exakte Natur seiner Kontakte wird viel spekuliert.
Die Zahlen sprechen für sich
Dem Vernehmen nach hat Freisinger bereits Mitte Jänner 2026 ein Drittel des Vorjahresumsatzes erreicht. Das ist beeindruckend. Das ist aggressiv. Das ist Wachstum, wie man es sonst nur von Start-ups im Silicon Valley kennt – nicht von einem österreichischen Industriegaseunternehmen.
Die geplanten Kapazitäten lesen sich wie ein Masterplan:
- Helmstedt (aktuell): 6.130 Tonnen/Jahr, Auslastung 50 %, ab April 100 %
- Deutschland gesamt (Jahresende): 14.000 Tonnen/Jahr
- Weiteres deutsches Werk (Jahresmitte): 7.000 Tonnen/Jahr
- Amstetten (BCR): 3.000 Tonnen/Jahr
Zusammengerechnet ergibt das über 24.000 Tonnen CO₂ pro Jahr – eine Hausnummer, mit der man auch den Großen Konkurrenz macht.
Die Fragen bleiben
Wer ist die Freisinger Holding wirklich? Ein innovatives Cleantech-Unternehmen mit exzellenten Kontakten? Ein diskreter Player mit Zugang zu den richtigen Türen? Oder etwas ganz anderes?
Die offizielle Version: ein „organisch gewachsenes österreichisches Unternehmen“, das jetzt den nächsten Schritt geht – den Gang an die Börse. Die inoffizielle Version: ein Firmengeflecht mit bemerkenswerten Verbindungen, dessen eigentliche Struktur und Hintergründe im Dunkeln bleiben.
Was man weiß: Die Freisinger Holding AG wächst rasant, erschließt neue Märkte, sichert sich Exklusivrechte und bereitet ein Börsenlisting vor. Was man nicht weiß: Wer die strategischen Investoren sind, wie die Kontakte zu Regierungsstellen zustande kommen, und warum ein mittelständisches Unternehmen aus Wien plötzlich BASF Marktanteile abnimmt.
Die Freisinger Holding AG – ein österreichischer Hidden Champion, der still und heimlich den deutschen CO₂-Markt erobert. Höchste Zeit, genauer hinzuschauen.
